Broschüre: „Suizid: Jahrbuch 10“

Verwaiste Eltern e.V.

Jahrbuch 10 mit dem Themenschwerpunkt: „Suizid“ Auf über 280 Seiten mehr als 100 Texte, Dokumentationen, Gedichte, Trauer- und Lebensgeschichten zum Thema: Suizid

Jahrbuch 10 mit dem Themenschwerpunkt: „Suizid“

Leseprobe aus dem Vorwort von Mechthild Voss-Eiser

Der Suizid ist nicht nur eine Handlung gegen sich selbst, sondern auch ein gewaltsamer Eingriff in das Leben anderer. „Der Tod trifft zwei, den Sterbenden und den Lebenden, und der Lebende trägt die Last.“ Das Jahresheft mit dem Schwerpunkt Suizid ist ein erschütterndes Dokument eben dieser, von einem englischen Philosophen einmal so benannten unvorstellbaren Belastung. Verwaiste Eltern haben – wie immer ihr Kind gestorben sein mag – den Satz von Mascha Kaleko im Ohr: „Bedenkt, den eignen Tod den stirbt man nur, doch mit dem Tod der andern muss man leben“, einen Satz, der uns seit Jahren auf unseren Faltblättern begleitet. Allen Eltern, wie auch zurückbleibenden Geschwistern, Verwandten und Freunden, ist vieles gemeinsam: Der Schock, die Schuldgefühle, die Leere in einer zerbrochenen Welt, in der das Kind unwiederbringlich fehlt und die bleibende Sehnsucht nach seiner tröstlich umgebenden Nähe, bis ans Ende der eigenen Tage.

Und doch können Hinterbliebene nach einem Suizid offenbar noch weniger als andere Trauernde mit Anteilnahme, Verständnis und Unterstützung rechnen. Verletzend die doppelte Ausgrenzung und eine Stigmatisierung, die die Vermeidung von Trauer und Trauernden noch einmal übersteigt. Möglicherweise ähnlich erlebt beim Tod durch Drogen, Aids, nach Behinderung oder Gewaltverbrechen. Der Tod „durch eigene Hand“, die Selbsttötung, ist mit keinem anderen zu vergleichen. Er trägt nicht nur das Gesicht unwiderruflicher Zerstörung, sondern lässt hoffnungsloses Nichtverstehen, Schuld und Scham zurück. Er liefert die Lebenden einer Zerstörung aus und Schmerzen, die keinem Vergleich standhalten. Sie haben erlitten oder erfahren es im Überleben und in dem verzweifelten Versuch, das Geschehene „einzuholen“, dass es über die Selbsttötung „weder einfache Theorien, noch unveränderliche Gesetzmäßigkeiten gibt, mit denen er sich vorhersagen oder verhüten ließe. Kein Weg wurde bisher gefunden, um Herz und Gemüt derjenigen zu heilen und zu beruhigen, die auf so furchtbare Weise zurückgelassen werden“.

Das ist das Fazit einer neuen, sorgfältigen und großen Studie (auf über hundert Seiten wird im Anhang allein der Stand der internationalen Forschung dokumentiert), Ergebnis einer lebenslangen, wissenschaftlichen Arbeit vor dem Hintergrund eigenen Erlebens und Überlebens eines Suizidversuches. Die selbst manisch-depressive amerikanische Professorin für Psychiatrie, Spezialistin für Gemütserkrankungen und Selbsttötung, stellt schließlich fest, dass kein Suizid dem anderen gleiche, dass jeder etwas ganz eigenes sei, unverständlich und schrecklich. Jeder Versuch der Lebenden, diesen Grenzbereich zu erkunden, so stellt Kay Redfield Jamison fest in ihrem Buch zum Verständnis des Selbstmordes „Wenn es dunkel wird“ (Siedler Verlag Berlin, 2000): „Jeder Versuch einer Annäherung kann nur eine Ahnung liefern und zum Verrücktwerden lückenhaft sein.“

Für die Hinterbliebenen bedeutet das der Beginn einer langen, verzweifelten Suche, einer „Reise unter dem Stern lähmender Fragen“.

Zum Verrücktwerden lückenhaft… Was Eltern trotz allem in diesem „Verrückt-werden“ als Heilung und Beruhigung erfahren, deutet sich hier verhalten, ansatzweise oder kräftiger und bewegend im Meditationsteil und in den Trauer- und Lebensgeschichten an.

Jahrbuch 10: Suizid

Auf über 280 Seiten mehr als 100 Texte, Dokumentationen, Gedichte, Trauer- und Lebensgeschichten zum Thema: Suizid

Format 24cm x 21cm

290 Seiten

Mit vielen s/w Abbildungen

5,00