| "Dein Schmerz ist mir von neuem so tief in die Seele gegangen" |
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| Samstag, 15. Dezember 2007 | |||
Bericht von der Lesung mit musikalischer Begleitung in der Hauptkirche St. Katharinen am 10.9.2007von Petra SchafsteddeWenn etwas über das Grab hinausreicht, so kann es nur sie (die Liebe) sein...“ schreibt am 14. August 1804 Caroline von Humboldt in einem Brief an ihren Mann Wilhelm, der in Rom arbeitet, während sie nach Paris gereist ist. Es ist zweihundert Jahre her und gemeint ist zunächst die Liebe der Eltern zu ihrem im Alter von neun Jahren verstorbenen Sohn Wilhelm. Die beiden Briefschreiber nennen sich „mein Teuerster” und „du innige Liebe“. Ein Mann und eine Frau bitten einander wechselseitig um Verständnis dafür, dass sie sich die „Qual“ ihrer “so schmerzlichen Gefühle” mitteilen.
Was also ist es, was so zeitlos und präsent im Raum steht für die Zuhörer in dem kleinen Raum der Hauptkirche St. Katharinen am 1o.September 2oo7? Es ist die Liebe der Eltern zu ihrem verstorbenen Sohn und die wirklich miteinander geteilte Trauer über den Verlust ihres Kindes. Es ist aber auch vor allem der Dialog miteinander, der aufhorchen lässt und Zuversicht gibt. Die Präsenz der Eltern und der Geschwister und die des verstorbenen Sohnes entsteht zum einen durch die warme kraftvolle Stimme des Schauspielers Rolf Becker. Sie ist männlich und raumfüllend –gerade auch in den leisen und zarten Passagen. Zum anderen aber auch sehr schön ist der Gegenpart in der Lesung von Isabella Vértes-Schütter, die viele Facetten der Gefühle Caroline von Humboldts , vor allem aber ihre Stärke , ihre Zärtlichkeit und ihre Erschütterung in allen Nuancen lebendig werden lässt.
Es ist Kunst, was diese beiden Schauspieler in der szenischen Lesung
sehr professionell schaffen: sie öffnen den Zugang zu den Worten und zu
den Persönlichkeiten der schon so lange Verstorbenen. Ganz lebendig
wird auch die Besonderheit des Umgangs mit der Trauer und die Wege, die
Caroline und Wilhelm von Humboldt in dem Gespräch miteinander gefunden
haben. Wilhelm von Humboldt antwortet auf die Sorge seiner Frau, ihre Schilderungen der Trauer könnten ihn wehmütig machen: “Wir haben immer beide die so genannte Schonung gehasst, und mir ist es gleich verhasst, den Empfindungen willkürliche Schranken zu setzen...“ Das begleitende Cello setzte mit den sparsamen, eindrucksvollen Tönen die Improvisation als Klanggestalt in den Raum, die seltsam unkörperlich allen Schattierungen der Trauer und der Liebe Ausdruck verlieh. So wurde das möglich, was Pröbstin Murmann als ursprüngliche Bestimmung des Kirchenraums in Ihrer Begrüßung der Gäste formulierte: dieser Raum sei als ein kleiner Schutzraum für die Menschen in der großen Kirche St. Katharinen gedacht und gebaut worden. Wir bedanken uns für die Aufnahme in den Räumen und für das bereichernde Erlebnis.
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Das ist natürlich zu verstehen auf dem Hintergrund der Formen, in
der Adelige im 19. Jhd. umgingen, und es klingt weit entfernt von
unserem Verständnis von Partnerschaft und von dem uns so scheinbar
selbstverständlichen Austausch aller Empfindungen in einer Ehe.