|
Annedore Siewert:
Die fehlende Sonne
Der Morgen ist kühl, mir ist
kühl,
der Himmel ist bedeckt und grau,
die Luft ist schwer und feucht.
Mir ist kalt, ringsumher herrscht
Stille.
Die Blätter an den Bäumen
sind saftig grün,
sind hell und dunkel,
bewegen sich kaum merkbar im Winde.
Alles ist stimmig in der Natur,
nur nicht in mir.
Kastanien tragen schon ihre Kerzen
zur Schau, kerzengerade.
Zwischen den Bäumen
Mit ihren kräftigen Stämmen
schimmert ein Teil vom See,
schimmert grau-blau
und ein Stück vom Rapsfeld ist
zu sehen,
leuchtet satt-gelb.
Ich höre Vogelgezwitscher,
unterschiedliche Melodien
klingen an mein Ohr,
auch das trockene Gekrächze
der schwarzen Raben.
In der Ferne ruft der Kuckuck,
ruft viele Male, ruft immer wieder.
Es blüht und zwitschert,
es grünt und duftet.
Alles ist erwacht zum neuen Leben.
Mir ist kalt, mir fehlt die Sonne,
Meine Sonne fehlt mir.
|