| Noch einmal sprechen von Bettina... |
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| Sonntag, 8. Juli 2007 | |
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Noch einmal sprechen von Bettina… von Christa Wolfen Im Juni dieses Jahres sind es 13 Jahre, dass meine geliebte Tochter diese Welt verlassen hat. Ich hätte nie geglaubt, dass ich nach so vielen Jahren noch immer lebe und wer weiß, wie lange noch. Darum ist es mir ein Bedürfnis, noch einmal von Tina zu sprechen, sie in Erinnerung zu bringen, sie vor dem Vergessen zu bewahren.
Dieser Spruch könnte auch für meine geliebte Tochter Bettina geschrieben worden sein. Sie wurde nur 31 Jahre alt, und sie hätte bestimmt noch gerne weitergelebt. Aber die Krankheit (Depression) war stärker als sie, und in den letzten Stunden ihres Lebens war niemand da, der sie vor dem Suizid bewahren konnte. Umso schwerer für mich als Mutter weiterzuleben mit Schuldgefühlen, die nie aufhören werden. Meine Liebe für sie gebe ich an ihre Tochter weiter. Tina war unser zweites Kind, ein Wunschkind, 13 Jahre nach der Geburt unseres Sohnes. Wir waren eine glückliche Familie. Doch der Tod macht nicht Halt davor; als Tina 6 Jahre und mein Sohn 19 Jahre alt waren, starb mein Mann an Herzinfarkt. Alles wurde anders, meine Kinder aber waren und sind mein Lebensinhalt. Der große Sohn studierte, heiratete und ging aus dem Haus. Meine Tochter war dann mein Leben. Wir machten alles gemeinsam, verlebten schöne Urlaube, die Wochenenden in unserem Häuschen am Wald. Tina musste sehr selbstständig sein, da ich voll berufstätig war. Da wir kirchlich eingestellt sind, hatte sie große Schwierigkeiten, in eine höhere Schule (DDR) zum Abitur zugelassen zu werden, was sie dann mit Auszeichnung bestand. Die gleichen Schwierigkeiten hatte sie bei der Zulassung zum Medizinstudium. Sie hat alles geschafft, aber die nervliche Anspannung war extrem groß. Im zweiten Semester des Studiums wurde sie krank; eine Depression zwang sie, das Studium aufzugeben. Ihren Wunsch, Menschen zu helfen, wollte sie dann als Krankenschwester verwirklichen, und sie bekam ihr Leben wieder in den Griff. Sie heiratete, eine kleine Tochter war ihr höchstes Glück, und beruflich konnte sie ihre Fähigkeiten als Fachschwester auf der Intensivstation eines Krankenhauses einsetzen. Doch dann kam die Krankheit zurück – mit solcher Macht, dass sie als einzigen Ausweg den Sprung in die Tiefe wählte. Es müssen unsagbare Qualen gewesen sein, sonst hätte sie nicht von ihrem Kind gehen können. Sie fehlt mir so unendlich. Ich vermisse ihr Lachen, ihre Stimme. Sie hatte einen so feinen Humor. Sie war ein liebenswerter Mensch, intelligent, hilfsbereit und sehr sportlich. Reiten, Tennis, Gymnastik bereiteten ihr Freude. In meiner Wohnung hängen viele Bilder von ihr, die sie gemalt hat. Sie war künstlerisch veranlagt und hatte einen Blick für das Schöne. Aber sie war auch sehr sensibel, leicht verletzbar, und das traf sie dann besonders schwer. Sie hat die Krankheit nie akzeptiert und als Makel empfunden. Tina hat immer dagegen angekämpft, und doch hat sie den Kampf verloren. Mein Herz ist so voller Sehnsucht nach Dir, meine Tina, Deine Mutti |

