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Sonntag, 1. Juli 2007

EngelskulpturTrauerseminar April 2007 in Bad Bevensen

Rückblick von Anja Wiese 

„Also, wenn der im Raum steht, ist echt einer mehr da…“ Mit diesen Worten leitete Kerstin ihre Idee ein, die mannshohe (2m) Engel-Skulptur als Symbol für unser familienorientiertes Trauerseminar von Hamburg in unser Tagungshaus nach Bad Bevensen zu holen.

Ich will nicht schildern, wie wir den Transport des ganz besonderen Schutzengels geschafft haben – schließlich konnte er dann doch nicht fliegen… - wichtig ist, dass er da war und das gesamte Team in seiner Arbeit beflügelte und als erster die trauernden Familien jeden Tag in der Empfangshalle begrüßte. Dort stand er in seiner ganzen Schönheit, Ausstrahlung von Konzentration und innerer Sammlung, bewachte und behütete die Gedenkteppiche der verstorbenen Kinder.

Kindel malen ihren EngelWir hatten eine Premiere mit diesem Trauerseminar; denn zum ersten Mal führten die beiden Vereine Verwaiste Eltern und Geschwister Hamburg e.V. und das Institut für Trauerarbeit (ITA) e.V. dieses Seminar in Kooperation mit dem Verein verwitwet.de e.V. durch – mit einem bewegenden und ergreifenden Erfolg.

In drei zahlenmäßig großen Kinder-und Jugendlichengruppen sprachen, spielten, gestalteten, weinten und lachten zusammen Kinder, die entweder ihre verstorbenen Geschwister oder Väter und Mütter betrauern. Sie alle verband mehr, als die Frage: wer ist gestorben?, die Erfahrung, dass jemand in der Familie gestorben ist. Gemeinsamkeit erleben sie in dem veränderten Familiensystem, das fundamental erschüttert ist, sowohl nach dem Tod von Schwester oder Bruder, als auch nach dem Tod von Vater oder Mutter. Diese Erfahrung, die wir ja auch schon seit über einem Jahr in den laufenden Hamburger Gruppen für trauernde Kinder und Jugendliche machen konnten, hat alle drei Vereine bewogen, auch das kommende November-Seminar für diese Zielgruppen anzubieten. Die 5-8jährigen Kinder malten und gestalteten nach den eigenen Körpermaßen ihren persönlichen Kraftengel. Diese Engelgalerie empfing uns alle, Teilnehmer und Team, zur Abschlussandacht in der Klosterkirche. Jedes Kind hatte sich neben seinen Engel gestellt, zusammen bildeten sie ein Spalier, durch das ihre Mütter und Väter – sichtlich berührt und beeindruckt – in die Kirche gingen.)

Einzelne aus der Gruppe der Jugendlichen wünschten sich im Nachhinein eine etwas intimere Atmosphäre, bei einer Gruppengröße mit 19 Teilnehmern eine sehr nachvollziehbare Anmerkung. Wir hätten in dieser Altersgruppe gut zwei Gruppen anbieten können und werden den Wunsch beherzigen.Kindergruppe

Neben den Gruppen der verwaisten Eltern gab es eine Gruppe mit verwitweten Müttern und Vätern. In der Gruppenarbeit wurde der Verlust mit unterschiedlichen Ansätzen thematisiert – schreibend, erzählend, malend…Im Mittelpunkt aber standen die Kinder und Jugendlichen, die mit ihren Müttern und Vätern nach Bevensen gekommen waren.

Sie wurden besonders in den Blick und ins Herz genommen. Neben der eigenen Trauer setzten sich die Eltern mit der Trauer ihrer Kinder auseinander – in den Elternabenden, in der Gruppenarbeit und, als „Highlight“ des Seminars, bei der Begegnung zwischen Kindern und Erwachsenen. In den vergangenen Jahren fand die Begegnung immer zwischen den einzelnen Parallelgruppen in den Gruppenräumen statt.

Diesmal gab es auch in diesem so zentralen Bereich unserer Arbeit eine Premiere - ein Versuch, der gelungen ist und allen viel, viel Freude, inneres und äußeres Be-weg-tsein (ein wirklich sichtbares „Auf-dem-Weg-sein“) brachte:

Gruppenkreis Bei strahlendem Sonnenschein leitete unser Kollege Uwe Sanneck auf der schönen Grünfläche hinter dem Haus eine gegenseitige Wahrnehmung und gemeinsame Begegnung aller Gruppen an und moderierte den Ablauf, das aufeinander Zugehen der Kinder und Jugendlichen auf der einen Seite und der Mütter und Väter auf der anderen Seite. Und dann saßen sie dort auf Wolldecken, auf ihren „Inseln“ - die, die zusammen gehören im Leben und mit den Verstorbenen. Sie überreichten sich gegenseitig ihre geschriebenen oder gemalten Wünsche und Geschenke, tauschten sich aus, hatten Familienzeit, Herzenszeit…