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Over The Rainbow... PDF E-Mail
Sonntag, 1. Juli 2007

KindergrabAbschiedsfeier auf dem Friedhof Öjendorf, Hamburg, im Mai 2007

Rückblick von Anja Wiese

Aus dem kleinen Kindergrab steigen Töne einer Babyspieluhr zu uns, die wir um das offene Grab herum stehen, auf: "Somewhere over the Rainbow…"

Atemraubende Stille der Trauergäste. Die Töne der Spieluhr werden immer leiser und langsamer, bis sie schließlich ganz verklungen sind. Das Weinen der Mutter dagegen wird immer lauter, bis sie sagt: “Jetzt ist es gut so. Diese Spieluhr wollte ich einfach nicht mehr zuhause haben. Ich hätte es nicht ausgehalten, sie zu hören“ und sich die Nase putzt.

Korbsarg Solche Szenen berühren uns tief. Sie berühren Pastorin Ute Gothmann-Kollath, Krankenhausseelsorgerin in der Asklepios Klinik Wandsbek, Psychologin Elisabeth Korgiel, Trauerbegleiterin bei den Verwaisten Eltern und mich. Unsere 13. Abschiedsfeier für die Allerkleinsten, deren gemeinsame Asche in einer Urne gesammelt und bestattet wird, hatten wir gerade durchgeführt - die Mütter, Väter, Geschwister, Großeltern und Freunde durch die Abschiedsstunde geführt, die kleinen Toten gesegnet, für sie und für die, die um sie trauern, gebetet…Sie, die so zart und zerbrechlich gewesen sind, flügelleicht…schmetterlingsleicht…- verwandelt jetzt – wie verwandelt? Was stellen sich Eltern vor, wenn sie an ihr verstorbenes Kind denken? Welche Hoffnungsbilder tragen sie in sich für ihre Allerkleinsten? Von solchen Gedanken hatten wir uns in der Vorbereitung wieder leiten lassen, um ein Symbol für die Trauerfeier zu finden und um dann daraus ein kleines Ritual zu entwickeln. Wir wissen, wie bedeutsam Symbole und Bilder sind für die, die kein Bild haben von ihrem Kind und „sich ein Bild machen“ müssen. Das Symbol Schmetterling begleitete dieses Mal den Abschied von den Kindern.

Die Urne mit der Asche hatten wir – wie immer – liebevoll in einen kleinen Babysarg aus Korbgeflecht gebettet und mit Seidenbändern geschmückt. An den Bändern konnten Mütter und Väter abwechselnd ihre Kinder auf dem Weg zum Grab tragen – ein letztes Mal, oft ein einziges Mal ihre Kinder tragen, die sie so gern durchs Leben getragen hätten…

Besonders der Text „Flieg, Schmetterling, flieg“ , den wir zum Abschluss am Grab gelesen haben, hat große positive Resonanz in den Eltern ausgelöst. Zusammen mit den von uns gebastelten zarten Schmetterlingen, die wir den Trauergästen überreichten, ist das Gedicht für die Eltern eine kostbare Erinnerung an ihre kostbaren Kinder.