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„Jetzt hab ich aber ordentlich getrauert!“ PDF E-Mail
Samstag, 12. April 2008
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„Jetzt hab ich aber ordentlich getrauert!“
Seite 2

Über die Arbeit in unseren Kindertrauergruppen

von Gabriele Wilke

Donnerstag Nachmittag. 3 Mädchen und 4 Jungen im Alter von 7 bis 9 Jahre kommen in unseren Gruppenraum gestürmt:
„Was machen wir heute?“
„Das erzählen wir euch gleich; jetzt setzt euch erstmal in den Kreis zu unserer Begrüßungsrunde“,
antworten Barbara und ich.
In der ersten Runde darf jedes Kind kurz erzählen, was es in den letzten 2 Wochen Wichtiges erlebt hat. Während dieser Gesprächsrunde merken wir immer wieder, wie auf der einen Seite das Mitteilungsbedürfnis der Kinder und auf der anderen Seite ihre Neugier auf unsere heutige Aktion sie in einen Konflikt bringen. Meist siegt die Neugier.
Ein von ihnen energisch geäußertes „Wir wollen endlich anfangen!“ hat schon einige Anfangsrunden abgekürzt. Allerdings bestehen Barbara und ich auf das anschließende Kerzen-Anzünden, welches die Kinder mal mit mehr, mal mit weniger Andächtigkeit ausführen. Der Umgang mit Streichholz und Feuerzeug ist in diesem Alter oft noch eine Herausforderung und wird von entsprechenden Kommentaren und Ratschlägen der Kinder begleitet. Ich nenne diese Gruppe die „Was basteln wir heute?-Gruppe“. Diese Kinder lieben es, tätig zu sein, und sie sind dabei überaus kreativ.


Unsere angeleiteten „Bastelarbeiten“ stellen für die Kinder eine Möglichkeit dar, ihre Gedanken und Gefühle auszudrücken, für die einfach noch die Worte fehlen. Barbara und ich sind immer wieder fasziniert von den Kunstwerken, die dabei entstehen. Aber auch die während des Bastelns geäußerten Gedanken der Kinder, in denen viel Mitgefühl und Weisheit sichtbar wird, berühren uns immer wieder. Die Gruppe endet jetzt -nach einem Jahr- vor den Frühjahrsferien, sehr zum Leidwesen der Kinder, die gerne weitergemacht hätten. Als wir den bevorstehenden Abschied, aber auch die lange Zeit, in der wir zusammen waren, ansprachen, meinte ein Junge. „Jetzt hab ich aber ordentlich getrauert!“

Als ich im September 2006 mit meiner ersten eigenen Gruppe (5 Mädchen im Alter von 3-7 Jahren) begann, ging ich davon aus, dass auch diese Kinder leidenschaftlich gerne basteln würden. Sie belehrten mich eines Besseren; weder Basteln noch Vorlesen interessierte sie. Sie wollten spielen.

Ich war zunächst ziemlich irritiert. Dann fand ich aber dank einer Supervision heraus, dass diese kleinen Mädchen durch den Verlust eines Elternteils oft schon so „groß und vernünftig“ sein müssen, dass sie manchmal einfach überfordert sind. Weil sie auf anderen Gebieten schon so viel „leisten“ müssen, möchten sie in der Gruppe einfach nur Kind sein und spielen können. In ihrem Spiel geht es auch oft um Tod und „Wiederauferstehung“ und die Verstorbenen werden von den Kindern immer wieder mal erwähnt. Viele Kinder dieser Altersklasse verarbeiten ihre Erlebnisse vor allem im Spiel. Aber auch das Wissen um das gemeinsame Schicksal, dass sie nicht die einzigen sind, deren Mutter oder Vater gestorben ist, ist schon eine große Entlastung für sie.
Diese „Wir wollen spielen!-Gruppe“ hat sich gerade für eine Verlängerung bis zu den Sommerferien entschieden.

Im Januar 2008 begann ich mit einer weiteren Gruppe, die sich aus 4 Jungen und 2 Mädchen im Alter von 11 bis 13 Jahren zusammensetzt. Gleich beim ersten Treffen erkannten die Jungen die Einsatzmöglichkeiten der zahlreichen Kissen und Decken in unserem Gruppenraum. Noch vor der Begrüßungsrunde bauten sie sich gemütliche Höhlen und Liegewiesen und streckten sich darauf aus. Auf meine Frage, was sie am liebsten täten, sagten sie unisono „Chillen“. Sie sind also meine „Chillen ist cool!- Gruppe“, und die ersten 3 Treffen verbrachten wir damit, uns kennen zu lernen. Gerade in diesem Alter ist die Ambivalenz gegenüber dem anderen Geschlecht ein Thema, dem man mit viel Fingerspitzengefühl begegnen muss. Zunächst musste der Streit um die Kissen zwischen Jungen und Mädchen geklärt werden; das war eine echte Herausforderung, da ich selbst nicht als autoritärer Bestimmer dastehen wollte (das wäre „uncool“ gewesen).