| „Jetzt hab ich aber ordentlich getrauert!“ |
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| Samstag, 12. April 2008 | ||||
Seite 1 von 2 Über die Arbeit in unseren Kindertrauergruppenvon Gabriele Wilke
Donnerstag
Nachmittag. 3 Mädchen und 4 Jungen im Alter von 7 bis 9 Jahre
kommen in unseren Gruppenraum gestürmt: Unsere angeleiteten „Bastelarbeiten“ stellen für die Kinder eine Möglichkeit dar, ihre Gedanken und Gefühle auszudrücken, für die einfach noch die Worte fehlen. Barbara und ich sind immer wieder fasziniert von den Kunstwerken, die dabei entstehen. Aber auch die während des Bastelns geäußerten Gedanken der Kinder, in denen viel Mitgefühl und Weisheit sichtbar wird, berühren uns immer wieder. Die Gruppe endet jetzt -nach einem Jahr- vor den Frühjahrsferien, sehr zum Leidwesen der Kinder, die gerne weitergemacht hätten. Als wir den bevorstehenden Abschied, aber auch die lange Zeit, in der wir zusammen waren, ansprachen, meinte ein Junge. „Jetzt hab ich aber ordentlich getrauert!“
Als ich im September 2006 mit meiner ersten eigenen Gruppe (5 Mädchen im Alter von 3-7 Jahren) begann, ging ich davon aus, dass auch diese Kinder leidenschaftlich gerne basteln würden. Sie belehrten mich eines Besseren; weder Basteln noch Vorlesen interessierte sie. Sie wollten spielen.
Ich war zunächst ziemlich irritiert. Dann fand
ich aber dank einer Supervision heraus, dass diese kleinen Mädchen
durch den Verlust eines Elternteils oft schon so „groß und
vernünftig“ sein müssen, dass sie manchmal einfach
überfordert sind. Weil sie auf anderen Gebieten schon so viel
„leisten“ müssen, möchten sie in der Gruppe einfach nur
Kind sein und spielen können. In ihrem Spiel geht es auch oft um
Tod und „Wiederauferstehung“ und die Verstorbenen werden von den
Kindern immer wieder mal erwähnt. Viele Kinder dieser
Altersklasse verarbeiten ihre Erlebnisse vor allem im Spiel. Aber
auch das Wissen um das gemeinsame Schicksal, dass sie nicht die
einzigen sind, deren Mutter oder Vater gestorben ist, ist schon eine
große Entlastung für sie.
Im Januar 2008 begann ich mit
einer weiteren Gruppe, die sich aus 4 Jungen und 2 Mädchen im
Alter von 11 bis 13 Jahren zusammensetzt. Gleich beim ersten Treffen
erkannten die Jungen die Einsatzmöglichkeiten der zahlreichen
Kissen und Decken in unserem Gruppenraum. Noch vor der
Begrüßungsrunde bauten sie sich gemütliche Höhlen
und Liegewiesen und streckten sich darauf aus. Auf meine Frage, was
sie am liebsten täten, sagten sie unisono „Chillen“. Sie
sind also meine „Chillen ist cool!- Gruppe“, und die ersten 3
Treffen verbrachten wir damit, uns kennen zu lernen. Gerade in diesem
Alter ist die Ambivalenz gegenüber dem anderen Geschlecht ein
Thema, dem man mit viel Fingerspitzengefühl begegnen muss.
Zunächst musste der Streit um die Kissen zwischen Jungen und
Mädchen geklärt werden; das war eine echte Herausforderung,
da ich selbst nicht als autoritärer Bestimmer dastehen wollte
(das wäre „uncool“ gewesen). |
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