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„wie nach Hause kommen“ PDF E-Mail
Dienstag, 25. März 2008
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„wie nach Hause kommen“
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Rosen In einer Gestaltungsarbeit schmückten wir eine Acryl- Baumkugel mit bereitgestellten Materialien und dem Foto unseres Kindes aus. So waren Alexander und Maja in unserem Wohnzimmer noch ein wenig mehr präsent an diesem Weihnachten 2007. Häufig erinnere ich mich an die Abschlussandacht in der Kapelle.
Wieder spürbar der unendliche Schmerz in mir, gleichzeitig dieses starke Gefühl, Alexander ganz nah zu sein. Wieder einmal Tränen zulassen, erschöpfend und befreiend zugleich. Auf der Rückfahrt beschleicht mich der Gedanke: ‘Wie viele Kinder leben noch im Heute und sind vielleicht im nächsten Dezember nicht mehr unter uns.’ Etwas, worüber ich früher nie nachgedacht habe.
Es ist wohl das veränderte Zeitempfinden in diesem Leben ‘danach’ in dem nichts mehr so ist, wie es einmal war.“

Jürgens Überlegungen zu meiner Frage, wie er mit seiner Trauer umgeht, gebe ich in Auszügen wieder: „Männer, die zum Trauerseminar fahren, bedienen oft nicht das Klischee vom Mann. Sie haben eine Hürde überwunden und sind oft emotional an Grenzen gestoßen. Es gibt eine wichtige Erfahrung für mich trauernden Vater: Wenn ich das Seminar verlasse, nehme ich als eine klare Botschaft mit: „Hier darf ich Gefühle zeigen, hier wird Trauer zugelassen. Im Arbeitsbereich gibt es für Männer dafür keinen Raum.“
 Jürgen fasst seine persönliche Erfahrung mit der Trauer über einen langen Zeitraum zusammen: „Wenn Trauer nicht zugelassen werden darf, kann die Psyche mit der Zeit nicht mehr unterscheiden, ob man freudige oder traurige Gefühle spürt. In der Folge werden unbewusst alle Gefühle ausgesperrt”. Er selbst sagt von sich, er habe sich lange in Sachlichkeit geflüchtet. Ein in diesem Sinne funktionierender Mann werde durch die Umgebung belohnt: ”Die Menschen um dich herum danken es dir und urteilen: ‘Er hat`s gepackt’“.
Dagegen setzt Jürgen ein Erlebnis, das viele Jahre zurückliegt. Lange nach dem Tod seiner Tochter Maja nimmt er als Clown verkleidet an einer Karnevalsfeier teil. Eine Mitreferendarin kommentiert sein Outfit und sein Verhalten mit der Äußerung „Du bist aber ein trauriger Clown!“ Jürgen sagt heute dazu: „Im Nachhinein glaube ich, dass sie etwas wahrgenommen hat, was ich mich selber nicht spüren ließ. Die Trauer von damals habe ich als Vater nicht zugelassen.
In Bad Bevensen ist ein idealer Ort für mich, um das jetzt zu tun. Die Trauer zulassen zu können, hat mir sehr gut getan.“ Auf die Frage, was er mit „ideal“ meint, nennt er den Ortswechsel, das Treffen mit den Menschen, die das Gleiche erfahren haben, und dazu die Konzentra- tion auf das eine Thema Trauer. Es macht mich gerade nach dieser Bemerkung nachdenklich, womit unser Gespräch schließt. Jürgen sagt: „Die Erfahrung, dass trauernde Eltern wieder lachen, ist eine Mut machende. Wenn jemand, der das Gleiche erlebt hat, wieder lacht, gibt das Hoffnung. Wenn in meinem Umfeld jemand sagt: ‚ihr werdet schon wieder lachen‘, dann kann ich dies nicht annehmen, wohl wissend, dass dieses Leid nicht nachzuspüren ist.“ Für mich macht Renates ‚Schlusswort‘ deutlich, dass es im Grunde nicht bedeutsam ist, ob man Mann oder Frau ist.

Renate: „Es ist die Verbundenheit mit Betroffenen, denen ich nichts erklären muss. Die mich so sein lassen können wie ich bin und wie ich mich gerade fühle.“