| Wo ist das Licht? |
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| Montag, 14. Januar 2008 | ||||||||||||
Seite 2 von 2 Auch die Worte von Hauptpastor Alexander Röder hatten trotz aller Fragen eine tröstliche Botschaft. Nämlich die, dass aus dem schmerzlichen Dunkel ein heilendes Licht wächst. Woher auch immer es kommen mag. Sehr einfühlsam beschreibt er die Suche nach dieser Kraft, die keinen Abend und keine Dunkelheit kennt. Weil sie einer göttlichen Quelle entspringt. Da ist die Rede von einem Licht, das selbst der Tod nicht zu verschlucken mag und einem, das jede Finsternis vertreibt. Von einer Stimme, die im Stummsein für uns singt und sich liebevoll der Trauer annimmt. Bis unsere tränenerstickte Sprache sich irgendwann wieder dem Lied des Lebens öffnen kann. Und über allem leuchtet der Morgenstern, der nicht nur das Dunkel dieser Welt erhellt, sondern selbst den Schatten der Schuld erkennbar macht. Ja, in diesem Licht strahlt sogar die Möglichkeit der Vergebung auf für den, der Schuld bekennt. Die wunderbare Kammermusik des Libertas Ensemble unter der Leitung von Juan Angel Navarro - einem jungen argentinischen Komponisten – auch sie erzählte von der Kraft des Lichtes und vermittelte uns das Gefühl, direkt aus dem Himmel zu kommen. Sopran, Mezzosopran, Violoncello, Kontrabass und Klavier brachten mit ihren verschmelzenden Klängen die Stille zum Schwingen. Ja, auch Musik kann Stille hörbar machen! Denn die wahre Musik wird, wie Anselm Grün sagt, aus dem Schweigen geboren. Sie entspringt einer tiefen Sehnsucht, die alle Kräfte der Seele sammelt und zum Klang der Liebe verwandelt. Ich erinnerte mich in diesem Moment an die Worte von Antoine de Saint Exupéry, der es einmal so ausdrückte: In der Sehnsucht nach Liebe ist schon Liebe. In der Sehnsucht nach Gott ist schon Gott. Und in der Sehnsucht nach Stille ist schon Stille. Man hatte das Gefühl, als wollte diese Musik das Leben mit dem Tod zu einem Tanz versöhnen, in dem sich Trauer und Sehnsucht – Schatten und Licht – die Hand des Friedens geben. Ein immer wieder berührender Abschluss: der Moment, in dem jeweils ein Licht für betroffene Mütter, Väter und Geschwister in den Kreuzgang getragen wird. Ein Augenblick, in dem sich alle trauernden Menschen dieser Welt hautnah miteinander verbunden fühlen. Auch das Ritual der Vaterunser-Kette gibt jedem einzelnen das tröstliche Empfinden, dass Trauer verbindet. Und in dieser gewachsenen Schicksalsgemeinschaft Hand in Hand getragen wird. Eines habe ich für mich als kostbares Geschenk mit nach Hause genommen: Dass ebendiese Trauer der größte Beweis menschlicher Liebe ist. Und über alle Grenzen des Todes hinaus ins Unermessliche wächst.
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