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Unser erstes Weihnachtsfest ohne Juli PDF E-Mail
Samstag, 15. Dezember 2007

Unser erstes Weihnachtsfest ohne Juli

von Angelika Harnack

Julian war 16 ½ Jahre alt, als er am 24. 7.2006 an den Folgen eines Hirntumors starb. Er war 11 Monate krank gewesen. Es war Sommer und die Zeit danach war voll mit Dingen, die getan werden mussten. Niemand in der Familie dachte damals an Weihnachten. Wir alle waren sehr beschäftigt, die Trauerfeier zu organisieren, die Grabstelle und den Grabstein auszusuchen und auch noch eine neue Wohnung zu finden. Wir wollten unbedingt umziehen und das taten wir dann im Oktober auch.

WinterwaldUnd dann kam der erste Herbst ohne unseren „Juli“. Die Blätter fielen und die Tage wurden dunkler. Und plötzlich war sie da – die Adventszeit. Aber es kam bei uns keine Freude auf wie in all den Jahren zuvor. Uns stand auf einmal überhaupt kein Sinn mehr nach Dekoration, Adventskalendern, Weihnachtsmärkten oder Spekulatius. Niemand wollte Weihnachtslieder hören oder sich mit Geschenkewünschen beschäftigen. Es gab keinen Adventskranz und besonders ich vermied die Vorstellung, dass  in diesem Jahr jemand fehlen würde. Alle in der Familie waren sich einig: Weihnachten sollte so sein, wie es immer war.
Wir wollten versuchen, ein Stück Normalität zu leben. Also fuhren wir Heiligabend an die Elbe und gingen spazieren, so wie wir es viele Jahre zuvor getan hatten. Es gab auch Julis Lieblingsessen und wir tauschten Geschenke aus. Aber das Weihnachtsfest hatte seinen Glanz verloren. Die Stimmung war sehr gedrückt, wir alle vermissten ihn so sehr. Wir haben dann am Abend einen großen Zweig aus unserem Weihnachtsbaum herausgeschnitten und ihn zum Friedhof gebracht, mit Kerzen und Kugeln und roten Äpfeln.

Dort auf dem Friedhof waren wir ihm sehr nah. Und wir alle waren froh, als dieser emotionale Tag ein Ende fand.
In diesem Jahr wird alles anders sein. Wir wollen die Tradition brechen, wir werden Weihnachten verreisen und auch Silvester in der Ferne verbringen. Es wird keine Geschenke geben, kein Lieblingsessen und keinen Weihnachtsbaum. Ob es uns damit besser geht, bleibt abzuwarten. Aber vermissen werden wir unseren Sohn und Bruder überall, egal wo wir sind.

Soviel steht fest.